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freikirchen/charismatiker/christliche gruppen

Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitgliedern:


Susanna Lüthi war 7 Jahre lang in charismatischen Freikirchen engagiert - ein spannendes Gespräch mit ihr.

Einführung von Rolf Sommer zur Gruppe «M 28», die vor allem in der Innerscheiz aktiv ist. Dazu eine Sammlung von Erfahrungsberichten und eine Stellungnahme der örtlichen reformierten Kirche.

Zeitungsbericht über Fredy Falger. Er war 10 Jahre lang Mitglied einer Freikirche im Zürcher Limmattal. 2003 trat er aus, weil er sich missbraucht fühlte und gründete ein Internetforum.Die Erlebnisse von Fredy & Claudia Falger in der ehemaligen Gemeinde für Urchristentum (GfU) Dietikon im Limmattal und weitere Erfahrungsberichte zum Thema geistlicher Missbrauch.

Offener Brief von «Stopp GM» (Stopp geistlicher Missbrauch) an Walter Ryter, Leiter der Bewegung Freie Christen Oberwallis FCO.

TV-Bericht aus Baden-Württemberg zu verschiedenen charismatischen Gruppen, beispielsweise dem Christlichen Zentrum Esslingen (CZE)

Joachim Friedl berichtet über seine charismatische Erfahrungen.

Die Erfahrungen von Matthias und seiner Frau Simone, Aussteiger des Berliner ICOC.

Sammlung von Berichten Ehemaliger der International Church of Christ (ICC), auch Boston-Movement genannt (englisch).

Vier Erfahrunsberichte von Deutschen und Schweizer Aussteigern der ICOC - international Church of Christ oder Boston Movement. Achtung: Bevor man lesen darf, kommt der Gewissenstest...

> Buchtipp

 

Erfahrungsberichte auf dieser Seite:


Gott gibt es überrall. Er muss nicht in einer Kirche oder Gemeinde gesucht werden - Erfahrungen aus einer Pfingstgemeinde.

Erlebnisse aus der Pfingstgemeinde in Brig und dazu eine Anmerkung, was man eigentlich unter diesem «Torontosegen» versteht.

Die Kehrseite der Medaillie - Wer sich aus dem engen Korsett zu lösen versucht, der lernt die «herzliche Gemeinschaft» von ihrer anderen Seite kennen. Ein Erfahrungsbericht aus der Freien Evagelischen Gemeinde (FEG).

Glaube ist nichts, was man jemals besitzen könnte - also kann man ihn auch nicht verlieren, meint Monika Bürki nach ihrer Erfahrung in der ICF-Church.

Norbert erzählt, was es für ein kleines Kind bedeutet, wenn es glaubt, dass Jesus bald Gericht halten wird und es täglich gegen den Satan in und um sich kämpfen muss.

Sind die verrückt oder haben sie tatsächlich den eigentlichen Sinn des Lebens gefunden? Erfahrungsbericht aus einer christlich-charismatischen Gemeinschaft.

Carl J. Wiget hat den International Christian Fellowship (ICF) für einen Abend besucht.

Erfahrungen mit der Äthiopische Pentecostal Gemeinde in Stuttgart.

 

 

Gott gibt es überrall. Er muss nicht in einer Kirche oder Gemeinde gesucht werden

Kennengelernt habe ich die Pfingstgemeinde durch meinen Ex-Mann, der schon längere zeit dabei war. Anfangs sträubte ich mich, da ich gegen alles Religiöses war. Aber nachdem ich ein, zwei Mal beim Gottesdienst dabei war, gefiel mir die lockere Stimmung, die Predigten übers Erlöstwerden und vor allem das gemeinsame Musizieren und Singen.

Wie gesagt am Anfang war alles toll und richtig. Bis mein Ex-Mann ins Gefängnis musste. Man half mir zwar sehr, das Ganze zu überstehen und wieder auf die Beine zu kommen. Doch es wurde immer Beklemmender. 
Als ich einmal geäussert hatte, ich würde mich scheiden lassen (mein Ex- Mann schlug mich auch), wurde ich kaum mehr aus den Augen gelassen.

Ich erzählte dem Pastor, dass ich geschlagen wurde. Und er meinte dazu nur, ich hätte das halt provoziert und sei selbst schuld. Ich müsse meinem Mann eine demütige Frau sein, und die Liebe könne alles erdulden.

Es wurden Sitzungen einberufen, an denen die Hauszellenleiter und der Pastor anwesend waren. Eine solche Sitzung dauerte normalerweise zwischen 2 bis 5 Stunden, in denen ich zuerst gerügt wurde, ich hätte mich falsch verhalten, und danach wurde gebetet, Gott solle mich heilen von dem Dämon und mir den rechten Weg weisen. Das war reine Gehirnwäsche. Und mein Ex-Mann hatte so etwas wie einen Freibrief, er konnte mit mir tun und lassen was er wollte. Schlagen war an der Tagesordnung.

Nachdem ich mein zweites Kind bekommen hatte, wurde es immer schlimmer. Ich musste wöchentlich zur Seelsorge und die Hauszellenleiterin besuchte mich fast täglich, damit ich ja nichts Dummes anstelle. Im Mai 2001 war es so schlimm, dass ich mitten in der Nacht, nachdem mein Ex-Mann endlich eingeschlafen war, die Polizei anrief.

Man brachte mich in ein Frauenhaus der Katholischen Kirche. Und wegen der Drohungen von meinem Ex-Mann musste ich 1 Jahr versteckt bleiben bis ich wieder ein normales Leben führen konnte.
Die Pfingsgemeinde mischte sich in alles ein, versuchte mich über meine Eltern zu erreichen und zum umkehren zu bewegen.
Freunde wollten mit mir nichts mehr zu tun haben, Gotte und Götti von den Kindern legten ihr Amt nieder. Ich sei abgefallen vom rechten weg usw.

Es war eine sehr harte Zeit.

Vier Jahre später war ich endlich geschieden, und man liess mich in Ruhe. Für die Menschen in der Pfingsgemeinde bin ich abgefallen und damit nicht mehr wichtig. Mein Ex-Mann ist immer noch dabei, hat wieder geheiratet. Seine Frau hat sich nach drei Monaten Ehe von ihm getrennt.
Für die Pfingstgemeinde ist aber nach wie vor der Mann der arme.

Der weg in ein neues Leben war eine Befreiung. Es braucht viel Mut, aber es lohnt sich. Keine Chrichtliche Vereinigung darf so viel Macht über einen Menschen ausüben. Gott gibt es überrall. Er muss nicht in einer Kirche oder Gemeinde gesucht werden. Ich habe meinen Glauben an das Gute nicht verloren, sondern er wurde dadurch nur gestärkt.

Mit freundlichem Gruss

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Erlebnisse aus der Pfingstgemeinde in Brig

In der Pfingstgemeinde Brig war mein erster Eindruck, diese Menschen seien ernsthafter, feuriger und hätten einen grösseren Glauben als jene in der FEG (freie evangelische Gemeinde).

Mir fiel auf, dass in der Pfingstgemeinde viel mehr für Kranke gebetet wurde. Auch über das Wirken Gottes durch Heilung an Kranken wurde ich zum ersten Mal unterrichtet. Dämonenaustreiben und geistliche Kampfführung wurde uns gelehrt und praktiziert. Man lehrte uns, dass wir auch Tote auferwecken können, wenn wir nur genug Glauben hätten und vieles mehr.

Sehr schnell musste ich jedoch feststellen, dass man durch menschliche Lehre all das Wirken Gottes beschleunigen, vereinheitlichen und vor allem vereinfachen wollte. Das Wirken Gottes wurde zu einer Formel gemacht. Man brauchte nur bestimmte Zeremonien vorzunehmen, gewisse Handlungen ausführen und schon reagiert Gott auf unsere Wünsche! Dass ein solches Verhalten sehr nahe an Zauberei grenzte, merkte ich damals nicht. In der Pfingstgemeinde wurde ein Heilungsevangelist aus Amerika eingeladen. Dieser Mann hat uns ein paar Tage gezeigt wie man zu kurze Beine nachwachsen lässt, Hautpilze entfernt, Frauen in den Wechseljahren heilt, wie Hüftgelenkverformungen beseitigt werden, usw. Nichts war unmöglich. Ich wurde damals auch von einem Hautpilz befreit, der jedoch bald wieder da war.

Die Heilungsgabe war somit ganz einfach zu bekommen, wenn man nur wollte. Anschliessend an den Besuch dieses Heilungspredigers wurde dann in der Gemeinde durch den Pastor nachgehackt ,was bedeutete, dass der Pastor in der Versammlung jene Christen, welche die Heilungsgabe möchten, auf die Bühne bat. Sofort bin ich aufgestanden und war befremdet, dass nur etwa vier von vielleicht vierzig Personen diese Gabe wollten. Wir wurden gebeten ,während ein paar Minuten die Arme in die Höhe zu halten. Danach kam der Pastor zu jedem von uns und hat uns vielleicht 10 mal stark über die Hände gestrichen und gesagt, wenn wir beim herunternehmen der Arme ein Kribbeln in den Händen spüren würden, dann hätten wir von Gott die Heilungsgabe erhalten.

Als ich dieses Kribbeln verspürte, sagte der Pastor, dass ich nun die Heilungsgabe erhalten hätte und ich solle nun hinaus in die Welt und Tote auferwecken und Menschen heilen.

„Die Kranken für die Du betest, werden gesund.“ So ungefähr war sein Komentar. Als bekannt wurde, dass ich die Heilungsgabe hätte, schickte man mich zu einer Frau mit Krebs im Endstadium. Ich betete für sie und trieb den Geist des Krebses aus, und sagte ihr, dass Gott sie heile! Denn ich war ja ein Glaubensheld, somit musste Gott sie heilen. Kurz darauf verstarb die Frau und ich fragte mich, was ich ihr angetan hätte. Was muss diese Frau in ihren letzten Stunden durchgemacht haben? Aber eben, so schnell kommt man bei Schwärmern zur Heilungsgabe. Für mich war es ein fürchterlicher Schock und mir kamen sehr viele Fragen hoch, die mir niemand beantworten wollte. Ich musste dieses Erlebnis alleine verarbeiten, doch es wurde mir zu einer heilsamen Lehre. Lange Zeit fragte ich mich selber: Bin ich überhaupt ein richtiger Christ? Wenn ich ein Christ wäre, dann hätte Gott sie doch sicher geheilt!

Das Thema Geld war stets hoch aktuell. Die Predigten über den „Zehnten“ waren eine ständige „Liturgie“. Als Geschäftsmann war ich daher in der Gemeinde hochwillkommen. Sofort beförderten sie mich ins Ministery-Team! Damit wurde ich auch gleich als „Auffänger“ in das sonntägliche Umfallspektakel eingebunden.(Torontosegen). Später wurde uns vom Team gelehrt wie man selber manipulieren könne, damit Menschen durch uns umfallen. Da bei mir jedoch nie jemand zu Boden ging, fühlte ich mich einmal mehr zu wenig geistlich.

Auch das war wieder ein Grund, grosse Anfechtungen zu verdauen. Die Umfallphänomene nach den Predigten hatten in unserer Gemeinde sehr stark zugenommen und es war sehr peinlich wenn den Frauen beim hinfallen die Röcke bis zum Anschlag hochrutschten und Glaubenschwestern schnell nach Decken greifen mussten. Gleichzeitig hat dann das sogenannte Lachen im Geist angefangen, was mich oftmals gewaltig ärgerte. Ich nahm einmal eine suchende Frau an einen unserer Gemeindevorträge mit. Plötzlich fingen mitten in dem Vortrag zwei Frauen an zu kichern und zu lachen, wie zickige Teenis und so stark, dass man sich auf diesen ernsthaften Vortrag nicht mehr konzentrieren konnte.

Bei einem Hauskreistreffen war dann diese Lachsalbung so stark dass man sich am Boden wälzte. Als die Tochter des Hauszellenleiters sich dann zu uns stellen wollte, konnte sie den Raum nicht betreten, sie ist rückwärts in den Gang des Hauses zurückgefallen! Sie konnte diesen Raum nicht betreten! Sofort haben wir analysiert, dass die Salbung über uns paar Geschwister so gross sei, dass niemand mehr dazustossen konnte. Mit anderen Worten sagten wir uns, dass wir fast zu heilig waren für diese Schwester! Wo viel Zungenrede ist, da kommt Hochmut!

Einmal wurden Propheten aus Hannover eingeladen, welche anscheinend sofort unterscheiden konnten welche Leute vom Teufel und wer von Gott war.

Uns vom Ministery-Team wurde während des Gottesdienstes mitgeteilt, dass zuhinterst im Gottesdienstraum eine Hexe böse Gedanken und Kräfte gegen Pastor Lai senden würde und dieser könne fast nicht mehr predigen, wir sollten sofort eine geistige Mauer vor der Bühne bilden und eine Kette machen .Wir vom Team mussten dann eine Art Mauer bilden um den Pastor zu schützen. Zusätzlich wurde die (sogenannte ) Hexe aus dem Gottesdienstraum entfernt. Durch ihre Entfernung wurde angeblich der Gottesdient gerettet durch uns Beter !! Was für ein siegreicher Kampf hatten wir damals doch errungen. Ich habe mich von diesem Tag an gefragt, was aus dieser Frau geworden ist, die unseren Gottesdienst besuchte und die man rausgeschmissen hatte?

Anschliessend wurde von den sogenannten Propheten noch ein Tanz vorgeführt. Eine Tänzerin hatte während des Tanzes die glorreiche Idee, fortwährend Reis im Gottesdienstraum herumzuwerfen, so als würde sie Hühner füttern. Meine Frau war im Putzteam und von diesem Hühnerfüttern nicht sonderlich begeistert.

Es wurden durch diese hannoverschen Propheten auch ein Gebetsmarsch durch den Ort gemacht um festzustellen was für örtliche Geister diesen Ort binden würden. Bei katholischen Altaren blies man die Kerzen aus u.a.m.. Auf diese Weise wurde vermutlich unser Städtchen vor bösen Mächten gerettet!

Diese Pfingstgemeinde im Stätchen war bis anhin sehr bescheiden gewesen mit ihren Ansprüchen was das Gemeindelokal betraf, da es eine kleine Schar war. Sie entschieden einst, ein altes und einfaches Haus auf Kredit zu kaufen. Voller Freude über das eigene Lokal hatten die Geschwister dieses Haus nach und nach umgebaut. Nun gab es jedoch in der Gemeinde verschiedene Unstimmigkeiten und so wurde in relativ kurzer Zeit dreimal der Pastor ausgewechselt. Furchtbare Streitereien hatten grosse Spaltungen und Verletzungen bei den Mitgliedern so wie bei den Pastoren verursacht. Immer wieder gings um die Kardinalsfrage:“ War der neue Prediger nun genug geisterfüllt oder nicht?„

Der dritte dieser Pastoren war jedoch mit diesem bescheidenen Häuschen nicht zufrieden. Er hatte grosse Pläne und wollte plötzlich ein ganzes Industriegebäude mit hunderten von Quadratmetern Fläche für einen horrenden Preis kaufen, obwohl man an dem alten Häuschen vermutlich noch keinen Rappen abbezahlt hatte. Da wurde es vielen Geschwistern mulmig. Es entstand mehr und mehr Widerstand welcher so gross wurde , dass Brüder aus der Leitung die Gemeinde frustriert verliessen.

Nun hat die Leitung einen “Erweckungsevangelist” aus Amerika angeheuert, welcher uns dann während drei Tagen prophezeite, in der Schweiz ,dem wichtigen Land in Europa, gäbe es demnächst eine grosse Erweckung wo sich Millionen bekehren würden. Auch in unserer Region werde es eine riesige Erweckung geben. Dieser Erweckungsevangelist fragte uns ernstlich, ob wir Christen dafür vorbereitet und fähig seien, all die Neubekehrten zu betreuen. Ob wir überhaupt genügend Platz hätten für all die Menschen, die dann in unsere Gemeinde strömen würden?

Das war also der springende Punkt! Denn bei einer Erweckung mit solch gigantischer Dimension war natürlich das alte Häuschen zu klein.

Betreffs der grossen Erweckung sowie des Industriegebäudes blieb Skepsis. Nun wurde Gott gebeten, zu zeigen, ob man das grosse Gebäude wiederum mit grossem Kredit kaufen sollte. Ein besonders geistreicher Bruder kam auf die Idee, man müsse dieses Gebäude im Stil von Jericho einnehmen! Vermutlich wollte er, dass die Kreditmauern fielen! In einer Nacht- und Nebelaktion stolperte dann die ganze Clique sieben mal unter Beobachtung aller umstehenden Katholiken um dieses Fabrikgebäude. Nach diesen Umkreisungen waren wir nicht klüger als vorher! Oder wollte Gott uns durch unsere müden Beine doch noch etwas sagen?

Das Gebäude wurde dann nicht gekauft und diese riesige Erweckung ist leider auch nicht eingetroffen. Doch beinahe wäre durch eine hinterhältige Manipulation durch einzelne Manipulatoren eine ganze Gemeinde samt ihrem Ruf in Konkurs gegangen! (Trotz Warnrufen konnte es die Leitung nicht lassen, horrende Summen für Dinge zu verschleudern, die nie hätten passieren dürfen. Die Geschichte deckt sich beinahe mit jener, welche auf der folgenden Seite nachzulesen: http://www.charismatik.aussteiger-info.ch/default.asp?id=25&mnu=25

Plötzlich entdeckte der Pastor, dass er einen neuen feindlichen Geist in der Gemeinde wahrgenommen hatte. Es war der furchtbare Geist der “Iseebel” . Dieser Geist wütet angeblich in allen Menschen die es wagen, das unnüchterneTreiben zu hinterfragen. Wie ich im Internet erfahren habe, wirkt dieser schreckliche,mörderische Geist auch in Deutschland! Der Pastor übergab mir ein Büchlein zum Thema Iseebelgeist. Nun wurde mir klar, dass via Bücherversand so nach und nach alle möglichen, gute wie böse Geister, langsam aber sicher in die Freikirche kommen.

Für den Torontosegen musste man allerdings nach Toronto und für eine besondere Salbung nach Pensacola. Diese Pilgerreise wurde in dieser Gemeinde auch tatsächlich gemacht! Ich hatte die Reise noch vermittelt. Welche Schande!

Bernhard

 

Was versteht man unter dem Torontosegen?

Anmerkung von R. Johanna

Mitglieder charismatischer Freikirchen wissen, was mit dem Segen aus Toronto gemeint ist. Die Befürworter dieses Segens betrachten es als Zeichen besonderer Heiligkeit, wenn sie sich in den Gottesdiensten wie in einer Irrenanstalt benehmen. Einige gackern, bellen, miauen ,schreien etc…
Es gab auch Menschen die behaupteten, Gott würde Gold vom Himmel auf sie regnen lassen oder ihre Zahnlücken mit Gold füllen. Mehr dazu auch im unten angegebenen Buch.

Ich bin im Internet auf einen kurzen Videoclip von Benny Hinn gestossen, welches ein wenig zeigt, was auch vom Leiter der Pfingstgemeinde Brig,(heute leitet er die Pfingstgemeinde in Bern), der BewegungPlus ,der Vineyard uam... so heiss begehrt wurde. Deshalb strömten dann viele Prediger charismatisch ausgerichteter Freikirchen nach Toronto um diesen „Geist“ in die Schweiz zu holen. Hier fingen sie dann auf dieselbe Weise an, die Menschen zu manipulieren.

Wer immer dann mit diesen widerlichen Phänomen nichts zu tun haben wollte und sich mit dem Wort Gottes begnügte, das sagt, man solle nüchtern bleiben, hatte dann in den Augen der Pastoren eben zuwenig „Heiliger Geist“ oder eben der „Geist einer Mörderin.“

Heute hat sich dieser Geist wieder etwas zurückgezogen, einige haben gemerkt, dass es wohl doch nicht der „Heilige Geist „war, den sie importiert hatten.

Hier das kurze Videoclip
http://www.rohrweb.ch/blog/374

Das Buch dazu:
Der Autor war früher in leitender Position, erkannte die Verführung der Gläubigen und deckte nach und nach die ganzen Betrügereien diverser Prediger auf.

Hinter den Kulissen
Toronto-Segen oder Fluch?

Wir haben noch Exemplare zu verschenken.
Buch zu beziehen Bei:

gratisbuch@bluewin.ch

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Die Kehrseite der Medaillie

Wer sich aus dem engen Korsett zu lösen versucht, der lernt die «herzliche Gemeinschaft» von ihrer anderen Seite kennen. Ein Erfahrungsbericht aus der Freien Evagelischen Gemeinde (FEG).

Als ich 16 Jahre alt war, oraganisierte eine gute Bekannte meiner Eltern, einen Besuch für mich in einer Jugendgruppe. Auf Anhieb fand ich eine Gemeinschaft unter Jungen, welche ich bis anhin noch nie erlebt hatte. Ich wurde herzlich aufgenommen. Ich beschloss, weiterhin meine Freizeit mit diesen Menschen zu verbringen. Ich wurde verstanden. Es folgten wirklich ganz tolle Jahre. Ich kam zum Glauben. Es war das, was ich immer gesucht hatte. Ich wurde Mitglied der Freien Evangelischen .

10 Jahre später verliebte ich mich in einen sogenannten "Nichtchristen", wie es die Gemeindemitglieder nennen. Die Probleme begannen. Ich wollte kämpfen für meine Liebe. Leider wurde ich von
mehreren Gemeindemitgliedern sowie dem Prediger "ermahnt", dass ich mich gegen meine Liebe entscheiden müsse. Sie führten mir sämtliche biblische Texte vor Augen. Gott sei Dank, hatte es in der Gemeinde auch Menschen, welche mich verstanden und zu mir hielten. Der Druck seitens der Gemeindeleitung wurde aber zu gross. Ich entschied mich für meine Liebe und verabschiedete mich aus der FEG. Ich habe meinen Glauben an Gott aber nie verloren. Seit 8 Jahren gehe ich mit meinem Freund nun glücklich einen "anderen" Weg. Für mich ist die Gemeinde immer noch eine tolle und wichtige Gemeinschaft, Problematisch wird es erst, wenn man aus dem Rahmen, welchem einem die Gemeinde vorgibt, fällt.

Karin

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Glaube ist nichts, was man jemals besitzen könnte - also kann man ihn auch nicht verlieren.

mein gott
war
am himmel
in festen
kreisen

fiel plötzlich ab
von der bahn

kam
auf den müll
meines lebens
und schlug
wurzeln

(Monica Bürki)

Dieses Gedicht drückt meinen "spirituellen" Werdegang aus - einen langen (nie abgeschlossenen), intensiven, teilweise schmerzhaften aber auch sehr wertvollen Prozess. Ich bin in einem "christlichen Elternhaus" aufgewachsen, was ich nicht unbedingt positiv erlebt habe. In der Pubertät sträubte ich mich gegen alles "Christlich-Fromme" und habe mich mit Schriften von J.-P. Sartre und Camus, mit Nihilismus und Atheismus befasst. Ich fühlte mich damals sehr einsam, hatte tausend Fragen und keine Antwort oder Perspektiven.

Später, als Achtzehnjährige, begann ich trotzdem regelmässig die (damals neu gegründeten) ICF-Gottesdienste zu besuchen- weil sich dort die Möglichkeit bot, "lässige" Leute kennenzulernen. Bald schon hatte ich einen grossen "christlichen" Freundeskreis, was mich sehr freute. Während meiner Zeit bei ICF-Church (zuvor Limmat-Gemeinde genannt) und in anderen evangelikalen Kreisen, glaubte ich zunächst, alle Antworten gefunden zu haben auf die Frage nach dem "rechten" Glauben, der "richtigen" Lebensweise, der "Richtigkeit" und "Wahrheit" überhaupt. Zudem hatte ich "gute" Freunde gefunden, mit denen ich sonntags den Gottesdienst besuchen, Musik machen (ich spielte in der Band Keybord), Hauskreise abhalten und auch sonst vieles unternehmen konnte. Es war immer jemand da, den ich anrufen und (meist in irgendeinem "christlichen" Zusammenhang) etwas abmachen konnte. Ich hatte zuvor nicht allzu viele KollegInnen und Freunde gehabt; deshalb schätzte ich diesen "neuentdeckten Freundeskreis" sehr. Das Leben schien mir damals einfach, weil überschaubar und hübsch in "Schwarz-Weiss" geordnet - aber irgendwie auch etwas fad und "unwirklich", als sei es auf unbestimmte Weise ohne Boden. Es schien auf alles eine Antwort zu geben; und eine Weile gelang es mir auch, die "kritische Stimme" in mir zu unterdrücken.

Aber immer öfter hatte ich das Bedürfnis, mit jemandem ein echtes, möglichst unvoreingenommenes Gespräch, eine Diskussion zu Glaubensthemen zu führen- und biss dabei regelmässig auf Granit. Ich fühlte mich unverstanden, bekam immer dieselben "Standard-Antworten" zu hören. Wenn ich beispielsweise "wagte", an der Güte und Grösse Gottes zu zweifeln, hiess es: "Das ist eindeutig eine Anfechtung. Lass uns beten, dass du darüber hinwegkommst. Gott hat den Sieg, auch über deine Zweifel", etc.. Ich fühlte mich sehr alleingelassen. Bei sämtlichen Problemen wurde mir als "Lösung" entweder ein Bibelwort oder ein Gebet vorgeschlagen.

Ich begann, an mir selbst zu zweifeln- und wusste doch zutiefst, dass meine "innere Stimme" nicht schweigen würde, bis ich ihr Raum zum Sprechen gab. Während meines Studiums begann das "Schwarz-Weiss" und "Gut-Böse" -Schema noch mehr zu bröckeln. Ich lernte jetzt auch Menschen kennen, die nicht (oder nicht mehr) in evangelikalen Kreisen verkehrten. Nun realisierte ich, dass ich mehrere Jahre in einer Art "christlichem Ghetto" gelebt hatte. Immer mehr suchte ich bewusst Kontakt zu Leuten, die mit evangelikalen Kreisen nichts am Hut hatten. Ich interessierte mich für ihre Sichtweise vom Leben, ihre Art zu leben. Ihnen konnte ich von meinen Zweifeln und Fragen erzählen, ohne dafür verurteilt oder mit Ratschlägen eingedeckt zu werden. Mit vielen von ihnen habe ich echte Freundschaft geschlossen. Ich konnte jetzt wieder aufhören, die Menschen in "Christen" und "Nichtchristen" einzuteilen. Ich lernte, eigene Standpunkte einzunehmen und zu vertreten - ohne mir Gedanken zu machen, ob diese wohl ins "fromme Schema" passen würden oder nicht. Ich kam zur Ueberzeugung, dass es keinem Menschen ansteht, über den Glauben oder die "Rettung" anderer zu urteilen. Mir wurde klar, dass mein Leben nicht in erster Linie dadurch reich wird, dass ich Antworten finde, sondern dadurch, dass ich die Fragen lebe. Immer weniger musste ich Angst haben, den "rechten" Glauben zu verlieren, weil ich merkte, dass Glaube nichts ist, was ich jemals "besitzen" könnte - also auch nicht verlieren. Ich fasste wieder Mut, mich den Fragen zu stellen, mit Gott zu ringen, an ihm zu zweifeln. Der Zweifel ist für mich ein wesentliches Element des Glaubens im weitesten Sinn geworden.

Heute habe ich das Gefühl, im Leben selber verwurzelt zu sein - nicht in irgendeiner Ideologie.
In diesem Sinn möchte ich mit dem Zitat von G.Buddha schliessen:

"Glaubt den Büchern nicht, glaubt den Lehrern nicht, glaubt auch mir nicht. Glaubt nur das, was ihr selbst sorgfältig geprüft und als Euch selbst und anderen zum Wohle dienend erkannt habt".

Monica Bürki

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Kind sein in einer freikirchlichen, evangelikalen Gruppe

Es ist lange her, seit ich gross geworden bin in dieser Gruppe, und erst heute gelingt es mir darüber zu schreiben. Ich leide heute noch unter den Folgen obwohl es nun bereits über 20 Jahre her ist. Gepredigt wurde in dieser Kirche etwa folgendes: Jeder Mensch ist ein Sünder ,aber Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und vergibt uns unsere Sünden. Wir müssen nur umkehren, unser Leben Gott anvertrauen und ein Leben führen wie es in der Bibel steht und dann werden wir in das Himmelreich kommen. Und Jesus wird bald kommen um Gericht zu halten. Wir müssen täglich gegen den Satan in uns und um uns herum kämpfen, der in verschiedenen Gestalten auftaucht und uns in Versuchung führen will.

Für aussenstehende Erwachsene, die nicht daran glauben hört es sich wie spinnertes aber harmloses Gelabber an, für die Erwachsenen die daran glauben ist es je nach Geschmack Erleuchtung, Weisheit ,Lebenssinn, aber was es für ein Kind bedeuten kann dass diesen Glauben nicht wählen konnte will ich im folgenden versuchen aufzuzeigen.

Hundertemale hab ich als Kind versucht umzukehren, ich habe gebetet und gebetet und auf eine Antwort gewartet, aber es kam keine Antwort, ganz zu schweigen von den grossartigen Berichten von denen die Erwachsenen immer erzählten. Ich wurde nicht „ erfüllt von der Liebe Gottes “. Also hatte Gott mich nicht angenommen. Ich war noch klein aber ich hatte dennoch verstanden was das bedeutete : Verdammnis und Höllenqualen, die niemals aufhören würden: man würde in einen Phul aus Feuer geworfen werden und gequält werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ich litt unter Todesängsten denn ich verstand nicht alles was die sogenannten Brüder sagten, aber dass es nicht mehr lange dauern konnte bis er kommt da „die Menschen schon ganz böse geworden waren“ hatte ich verstanden. Ich verbrachte ganze Nächte auf unserer Fensterbank und beobachtete den Himmel, ob er vielleicht heute Nacht kommen würde und mich in den feurigen Phul werfen würde.

Erwachsene können sich dann irgendwann wenn auch unter Mühen von diesen Vorstellungen distanzieren, kleine Kinder können es nicht, für sie ist das was die Erwachsenen sagen die absolute Wahrheit. Sie können in keinster Weise vor diesen grauslichen Bildern, die für die Erwachsenen möglicherweise nur symbolische Aussagekraft haben, aber für die Kinder absolute Realität sind, fliehen.

Norbert

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Sind die verrückt oder haben sie tatsächlich den eigentlichen Sinn des Lebens gefunden?

Erfahrungsbericht aus einer christlich-charismatischen Gemeinschaft

Die Sehnsucht
1993 beendete ich meinen Zivildienst und hatte 3 Monate frei. Zu dieser Zeit befand ich mich in einer depressiven Phase, weil ich nicht so recht akzeptieren konnte, dass ich „nur“ ein organisches Wesen bin, zwar hoch komplex, aber dennoch sterblich, wie alles andere. Ich konnte mich mit dem gesellschaftlichen Leben um mich herum nicht identifizieren und hatte entsprechend Anpassungsschwierigkeiten und damit auch kein Zugehörigkeitsgefühl. Hinzu kam noch die Beendigung einer 4jährigen Beziehung zu meiner Jugendliebe und meine Eltern zogen aus beruflichen Gründen in die Staaten. All diese Ereignisse zusammen ließen in mir zwangsläufig das Gefühl von Einsamkeit entstehen. Ich wollte mich nicht damit abfinden, nur in einem System zu funktionieren, ich sehnte mich nach etwas, was ich nicht kannte.

Damit war ich prädestiniert und äußerst anfällig für jede Art von Weltanschauung, die mein inneren Widerstand gegen die Begebenheiten rechtfertigt.

Als gelernter Elektroinstallateur nahm ich öfter kleine Aufträge an um mir etwas Geld nebenbei zu verdienen. Dadurch kam der Kontakt zu der „christlichen“ Wohngemeinschaft zustande. Es handelte sich dabei um 3 Personen, die sich einen alten abgewrackten Gasthof auf dem Land gekauft hatten, um dort irgendwann einmal hilfsbedürftige Menschen aufnehmen zu können. Ich entschied mich, weil ich ja schließlich Zeit hatte und Ablenkung brauchte, die Elektroinstallation Stück für Stück in Ordnung zu bringen. Dadurch kam ich natürlich auch mit ihrer Weltanschauung in Kontakt. Oft saß ich abends lange mit einem der drei zusammen und stellte interessiert Fragen. Das, was mich neugierig machte, war ihr extrem ausgeprägter Optimismus, ein Verhalten, das ich aus meinem bisherigen Umfeld nicht kannte. Während ich nicht so recht wusste was das alles soll, wozu ich hier bin und was mit mir passieren wird, hatten sie absolute Sicherheit hinsichtlich ihrer Funktion und ihrer langfristigen Perspektive. Sie waren die von Gott Auserwählten und hatten den Auftrag, dieses Haus zu kaufen um dort sogenannte „Kaputte“ aufzunehmen. All das haben sie durch intensives Gebet zu Gott in einer Vision empfangen. Ich war hin und her gerissen zwischen zwei Standpunkten; entweder die sind verrückt oder sie haben tatsächlich den eigentlichen Sinn des Lebens gefunden.

Meine ersten Gespräche mit Gott
Fakt war, das sie gut drauf waren und ich schlecht und da ich ebenfalls glücklich sein wollte und wenn Gott tatsächlich existiert und die Möglichkeit bestände, mit ihm in Kontakt zu treten, wäre es äußerst dumm von mir, diese Möglichkeit nicht war zu nehmen und so begann ich mit Gott zu reden.

Da ich atheistisch erzogen wurde und bisher keinerlei Kontakt zur Kirche und ähnlichen Organisationen hatte, war ziemlich unvoreingenommen und hatte auch keinerlei Kenntnisse über die Bibel und den Missbrauch, der mit ihr praktiziert wurde und wird.

Die Bibel war das Fundament, man konnte jedoch ihren Inhalt nicht verstehen, wenn man nicht den Geist Gottes in sich aufgenommen hatte, somit wurden alle in ihr vorhandenen Widersprüchlichkeiten gerechtfertigt. Sie war das Wort Gottes und damit waren alle Brutalitäten des alten Testaments in Ordnung, denn vor Jesus´ Kreuzigung galten andere Regeln. Vor dem Erlösungswerk war es nur den Juden als auserwähltes Volk möglich, Gnade bei Gott zu finden. Gott erwartete sogar von ihnen, andere Völker, die Götzendienst betrieben, abzuschlachten, samt Frauen und Kinder. Wir heute haben das große Glück, nach Jesu Kreuzigung zu leben und damit ist die Möglichkeit gegeben, dass jeder Mensch allein durch Gnade und annehmen des Opfers Jesu Mitglied des Volkes Gottes werden kann.

Im Nachhinein betrachtet ist es für mich schwer vorstellbar, diesen Sachverhalt als Wahrheit angenommen zu haben, doch ich habe es getan, weil ich ebenfalls zur Elite der Menschheit gehören wollte.

Jede Kritik meinerseits wurde immer durch ein geschickt ausgewähltes Bibelzitat zu Nichte gemacht. Gut geeignet war der Satz „Was bei Menschen Torheit ist, ist bei Gott Weisheit und entsprechend umgekehrt“.

Gegenwart Gottes?
Was mein eigentlicher Beweggrund war, mitzumachen, war das Erleben der sogenannten Gegenwart Gottes im Gebet. Ein für mich heute noch nicht vollständig geklärtes Phänomen, das im Laufe der Zeit eine Intensität angenommen hat, welches alle anderen Zweifel beseitigte. Wir kamen regelmäßig mit 4 bis 10 zusammen und hielten im kleinen Kreis unseren Gottesdienst ab. Der Ablauf war nicht konkret festgelegt, sondern wurde von Gott selbst geführt, indem er den prophetisch Begabten Weisung gab, was zu tun war. Auch ich glaubte von mir selbst, diese Begabung entwickelt zu haben und trug entsprechend meinen Anteil bei. Somit entwickelten sich diese Zeiten zum Highlight meines Lebens. Denn durch dieses Beten ließen wir die Sorgen hinter uns empfingen Vergebung für unsere Schuld und ich diente den anderen durch das, was ich von Gott empfing. In dieser Zeit kam ihn mir starke Euphorie auf, ich glaubte durch den Geist Gottes mit dem Himmel und damit mit Gott persönlich verbunden zu sein und fühlte mich unendlich geliebt. Diesen Zustand kann ich mir bis heute nicht erklären allein durch positives Denken, eines Geistes zu sein und dass sich gemeinsames Wunschdenken zu einem gedanklichem Gesamtfeld vereint - zumindest im Augenblick nicht. Ich habe gelesen, dass Esoteriker ähnliches erleben, das heißt für mich, das es nicht gebunden ist an ein spezielle Vorstellung, sondern ein durch permanente Suggestion hergestelltes in sich geschlossenes Gedankengebäude sein muss, das sich ständig selbst bestätigt.

Das erstaunliche dabei war, das man diesen Zustand nicht sofort verlassen konnte, sondern noch einige Zeit nachwirkte. Wenn man nach dem Gebet einen Eingeweihten traf, der nicht am Gebet teilgenommen hatte, konnte man ihn durch kurzes Händeauflegen ebenfalls in diesen Zustand versetzen, zwar nicht in der vollen Intensität, jedoch trotzdem spürbar. Manchmal nahm diese Kraft eine Intensität an, das man sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, speziell für den, der von anderen „bebetet“ worden ist.

"Du wirst nie mehr derselbe sein"
Es hieß, wer einmal diese Kraft erlebt hat, wird nicht mehr derselbe sein wie vorher, das jedoch hat sich nach meiner Beobachtung nicht bestätigt. Ich habe in 7 Jahren keinen kennen gelernt, der sein Wesen grundlegend verändert hat. Bei allen war anfänglich immer eine Euphorie vorhanden, die sie motivierte, sich Mühe bei allem zu geben, doch die Fähigkeit bedingungslos zu lieben, hat keiner erreicht.

Zielsetzung war, dass wir durch gezieltes Gebet eine noch stärkere Nähe zu Gott bekommen und irgendwann die Kraft so stark wird, das wie zu Zeiten der Apostelgeschichte Zeichen und Wunder geschehen, damit unser verkündetes Wort seine Bestätigung erhält, und die Menschen mehr oder weniger gezwungen sind, zu glauben.

Problematisch war, dass die empfangene Kraft sich im täglichen Leben immer wieder schnell verflüchtigte und die Selbstlosigkeit dem unvermeidbaren Egoismus zum Opfer fiel. Das konnte man nach einiger Zeit nicht mehr ignorieren und suchte nach Ursachen für dieses Problem.

Gott war zwar grundsätzlich allmächtig, er hatte jedoch einen Widersacher, den Teufel. Der hatte die irdische Atmosphäre in seiner Gewalt und versuchte ständig, uns Christen anzugreifen und uns zu verführen. Durch unser Gebet erreichten wir eine Öffnung der dämonischen Sphäre über uns, denn die Dämonen konnten es nicht ertragen, wenn wir Gott anbeteten und ihm Lobpreis brachten. Wenn dann über längeren Zeitraum kein intensives Gebet stattfand, schloss sich die Atmosphäre wieder und vor allem bedeutete das, dass die feindlichen Geister Kontakt aufnahmen mit unseren Gedanken. Sie machten uns Schuldgefühle und legten uns damit lahm, so dass wir für Gott nicht mehr zur Verfügung standen.

Als Lösung blieb nur eins übrig: Wir mussten aufhören zu arbeiten, um mehr Zeit für das Gebet zu haben. Diese Lösung war nicht schwer anzunehmen, denn es war natürlich viel interessanter, im Geist die Geschicke der Welt zu beeinflussen, als durch mühsame Arbeit für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu müssen, besonders deshalb, weil man ja schließlich die auserwählte Elite war, durch die Gott handeln wollte.

Schritt für Schritt
Vielleicht sollte ich erwähnen, das ich zu diesem Zeitpunkt bereits 3 Jahre dort wohnte. Inzwischen hatte ich Abitur nachgemacht und wollte ursprünglich Psychologie studieren, davon wurde mir jedoch abgeraten, weil es mich höchstwahrscheinlich von Gott entfernen würde. So fing ich wieder an als Elektriker zu arbeiten und konnte nach einem Jahr diese Beschäftigung beenden und hatte endlich Zeit, während ich Arbeitslosengeld erhielt, Gott meine ganze Zeit zur Verfügung zu stehen. Was ich bisher noch gar nicht erwähnte, war die Instandhaltung und Renovierung des Gebäudes, was einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch nahm. Da ich der einzige ausgebildete Handwerker war, blieb der Großteil der Arbeit an mir hängen. Zum damaligen Zeitpunkt war das für mich kein Problem, denn das Haus gehörte zwar offiziell zweien von uns, ich war keiner der zwei, jedoch inoffiziell gehörte das Haus Gott, und damit diente ich ihm mit meinen Begabungen und entsprechend brauchte mir keiner dankbar sein. Als ich nun arbeitslos war, blieb für das Gebet nun doch nicht mehr Zeit übrig als vorher, denn es wurde eine weitere Wohnung geplant und der Bau eines Wintergartens und damit war ich im letzten Jahr meines Aufenthaltes in der „Gemeinschaft“ schwerpunktmäßig mit Bauarbeiten beschäftigt.

Wie ich schon erwähnte, war das Haus mit seinem reichhaltigen Platzangebot ursprünglich dazu bestimmt, hilfsbedürftige Menschen aufzunehmen, doch bisher war es nicht dazu gekommen. Stattdessen entwickelte es sich immer mehr zu einem Luxuspalast, allerdings in einem schleichenden Prozess, so wie vieles andere auch, und damit kaum bemerkbar.

An dieser Stelle möchte ich klar zum Ausdruck bringen, dass ich mir im Nachhinein kaum vorstellen kann, das ich all dies glauben konnte, doch der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. Alles was ich bisher berichtete, erstreckt sich über einen langen Zeitraum und ich wurde nur Schritt für Schritt in die ganze Wahrheit eingeweiht. Zunächst bekam ich nur das Positive zu erfahren und erst mit der Zeit erfuhr ich, dass das ganze auch seinen Preis hat. Ich wurde auch immer wieder entlohnt für alle Strapazen und Verzichte durch die vorher erwähnten Phänomene.

In der Anfangszeit bestanden auch zahlreiche Kontakte zu den umliegenden charismatischen Gemeinden und man akzeptierte die Eigenheiten der anderen. Wir besuchten auch regelmäßig Großveranstaltungen bei denen die „Top-Leute“ der charismatischen Bewegung ihre Auftritte hatten.

Mein bisheriger Bericht erweckt den Anschein, wir hätten ein demokratisches System gehabt, dies war aber nicht der Fall. In erster Linie war es eine Person, die die Richtlinien vorgab, die selbe Person mit der ich anfangs den meisten Kontakt hatte. Sie hatte die stärkste Überzeugungskraft und glaubte von sich selbst, den intensivsten und besten Draht zu Gott zu haben und alle anderen, die mit mehr Unsicherheit ausgestattet waren, glaubten ihr das auch und achteten ihre Weisung höher als ihren eigenen Verstand, ich in der Anfangszeit ebenfalls. Später, als ich ebenfalls begann, die Stimme Gottes zu hören, entwickelte sich ein Konkurrenzdenken und es wurde darauf hin sogar entschieden, aufgrund einer angeblichen Weisung Gottes, ich müsse gehen. Das war meine Chance von all dem frei zu werden, doch ich wollte meine Zugehörigkeit nicht verlieren und konnte durch Unterordnung und Zurücknehmen erreichen, das die Gemeinschaft mich doch behalten wollte. Schließlich benötigte man meine Arbeitskraft.

Ich war stehen geblieben bei dem Entschluss die Arbeit „in der Welt“ aufzugeben um Gott mit meiner gesamten Zeit zur Verfügung zu stehen. Ich war dabei nicht der einzige und das hatte zur Folge, das wir zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum Zeit kontinuierlich miteinander verbrachten, und das brachte schließlich und endlich das Projekt zum eskalieren.

Wir spalteten uns nach einer längeren Fastenzeit in zwei Gruppen und das Haus blieb in der Hand der einen, der ich nicht zugehörte. Die eigentliche Führungsperson ging weg und einige von uns, ich inbegriffen, folgten ihr. Wir spalteten uns in eine freizügige und in eine traditionelle Gruppe. Wir waren natürlich die Guten und hatten konsequent der Weisung Gottes gefolgt, während die anderen nicht weiter wollten und sich lieber in alten Traditionen und Unaufrichtigkeiten aufhielten.

Mexico und die innere Stimme
Es begann ein neuer Abschnitt. Wir wohnten nicht mehr zusammen, trafen uns jedoch regelmäßig um zusammen zu beten. Nach all unseren Erfahrungen kamen wir zu der Erkenntnis, das Deutschland wohl zu materialistisch sei und satt und versorgt und damit kein Interesse an Gott zu haben scheint. Entsprechend begannen wir, uns auf das Ausland zu konzentrieren und es entwickelte sich zur gemeinsamen Vision, in Mexiko neu zu beginnen. Alles was uns fehlte, war das nötige Geld. Darauf hin begannen wir über einen sehr langen Zeitraum für Geld zu beten. Als schließlich Gott kein Geld vom Himmel warf, glaubten wir, Gott verlangt von uns einen Glaubensbeweis; d.h. wir sollten ohne Geld nach Mexiko gehen in der Hoffnung, Gott würde eingreifen und uns versorgen, wenn es wirklich darauf ankommt. Ich unternahm als erster den entsprechenden Schritt, ich verkaufte alles was ich hatte, gab meine Wohnung auf, kündigte alle Versicherungen und kaufte mir ein Ticket nach Mexiko. Ich muss hinzufügen, das die „Führungsperson“ ein Jahr vorher dort im Urlaub gewesen war und abgecheckt hat, wie die geistige Atmosphäre vor Ort ist und entsprechend sicher war, das genau das der Ort ist, an dem Gott handeln will.

Voller Glauben und Glück kam ich in Mexiko an und musste leider feststellen, dass die mir zuvor angekündigte reine Atmosphäre nicht vorherrschte und ich nicht mit Gott verbunden war sondern vielmehr heftigste Existenzängste durchleben musste beim Zu-ende-gehen meiner Kasse. Ich hatte mich in ein Hotel eingemietet und Gott viele Nächte angefleht und um Vergebung gebeten für meinen Unglauben bis ich schließlich eines Nachts eine Stimme hörte, die mich fragte, was ich eigentlich selber wollte. Darauf hin bat ich Gott nur wieder zurück nach Deutschland gehen zu dürfen und dieses schreckliche Land zu verlassen. Ob es nun wirklich Gott war, der mit mir sprach oder ob es nur ein Dialog mit meinem eigenen Unterbewusstsein war, weiß ich nicht. Ich verspürte großes Glück beim Äußern dieses Wunsches und bekam 3 Tage später eine Maschine nach Amsterdam. Ich kam in Deutschland mit 50,-DM in der Tasche an, aber ich wusste, endlich das richtige getan zu haben. Dies war der Beginn meiner Trennung von der Gruppe. Ich wurde natürlich geächtet für mein Versagen, doch mir war klar, das ich einen solchen Empfang bekommen würde und es war mir egal.

Ich zog darauf hin weiter weg, hielt aber noch telefonischen Kontakt zu den anderen. Die Führungsperson hatte inzwischen alles in die Wege geleitet, um selbst nach Mexiko gehen zu können, was sie auch tat. Aber auch sie musste nach geraumer Zeit feststellen, dass es wohl nicht der Wille Gottes war, dies zu tun und kehrte zurück nach Deutschland. Als möglichen Grund warum es nicht geklappt hatte, gab sie an, dass wir in Deutschland wohl nicht ausreichend dafür gebetet hatten.

Die entgültige Trennung vollzog sich ein weiteres Jahr später bei einem Telefonat bei dem ich mir erlaubte, das Reden Gottes zu uns nur als Produkt unserer Fantasie anzusehen.

Jetzt stehe ich vor einem Neuanfang. Ich habe zwar viele Jahre verschenkt, doch sehr viel gelernt über mich selbst und die Menschen allgemein hinsichtlich unserer Manipulierbarkeit.

Teilweise ist mir all dies sehr peinlich und nur die Anonymität des Internets ermöglicht mir darüber zu reden. Doch vielleicht hilft es anderen, sich ebenfalls zu outen und wiederum anderen, ähnliches im Vorfeld zu vermeiden.

Wenn es einen Gott gibt, ist er allen gleichermaßen zugänglich und alle selbst ernannten Führer und Propheten sind mit absoluter Vorsicht zu genießen.

Paul

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Carl J. Wiget hat den International Christian Fellowship (ICF) für einen Abend besucht

Es ist ein kalter Sonntagabend in Zürich. Patrick Huber (18) amtet als Türsteher beim Eingang zur ehemaligen Börse: Immer wieder wollen Jugendliche hereingelassen werden. Er öffnet die Tür, lächelt kurz und umarmt die Eintretenden. Hunderte von Besuchern nehmen an den Gottesdiensten des International Christian Fellowship (ICF) teil - während des ganzen Sonntags sind es rund 2100 Personen. Der ICF ist trotz des englischen Namens ein zürcherisches Eigengewächs mit Ablegern in anderen Städten.

Was zieht Patrick Huber zum ICF? «Es ist der Glaube an Jesus. Der Herr existiert, und ich weiss, dass er immer bei mir ist», bekennt der Zimmermann-Lehrling: «Klar, ich erlebe auch Zeiten des Zweifels und der Versuchung. Aber das hat mit Satan zu tun. «Was ist denn die stärkste Versuchung?» - «Die Frauen natürlich», lacht er. Sexualität sei nur in der Ehe erlaubt: «Aber ich glaube fest, dass ich bald eine voll gute Frau kennen lerne.»

Im vierten Stock, im «Cubanito» beginnt um 18 Uhr die Andacht für 16- bis 19-Jährige. Eine Band spielt und der «Youth Planet»-Leiter «ND» Andi Strupler (26) vermittelt locker und easy einige Lebensregeln. Danach stehen die Jugendlichen in Grüppchen herum. Doch nicht die Geselligkeit ziehe sie am meisten an, sondern der Glaube, bekräftigen einige 19-Jährige: «Jesus hat mein Leben verändert.» Manche haben sagenhafte Dinge erlebt - so etwa die hilfreiche Hand Gottes bei einer Geldnot.

Haschisch-Dämon
Unten im grossen Saal hat der Grossanlass mit Pastor Matthias Bölsterli (38) bereits begonnen. Einschmeichelnd ist der Sound, und spektakulär sind die Videoeinspielungen mit Szenen von Nero (Peter Ustinow) - und Adolf Hitler. Es geht um die Frage: Wer ist «666»? Hinter dieser okkulten Formel verbirgt sich Satan, der Anti-Christ. Sein Reich der Finsternis kämpft gegen das Reich des Lichts. Matthias Bölsterli zeigt, wo die Versuchung wirkt. Er berichtet, wie er einst abhängig war vom Dämon des Haschischs und wie er lernte, ihm zu widerstehen. Manche Besucherinnen wischen sich verstohlen die Tränen ab, als er von seinem Töchterchen erzählt, das lernte, einen kleinen Dämon vom Badezimmerfenster zu vertreiben: «Die Psychologen würden sagen, das war gar kein Dämon. Aber sie hat ihn gesehen, und er war für sie Realität.» Am Schluss beschwört der Pastor die Anwesenden, Jesus in ihr Herz aufzunehmen.

Danach, im Gespräch mit dem «Brückenbauer», meint Matthias Bölsterli: «Heute bin ich mit meiner Predigt etwas drastisch gewesen und an die Grenze dessen gegangen, was ich für vertretbar halte. Das Thema 'Satan' ist heikel.»

Da kann man einwenden: Die Spaltung der Welt in Licht und Finsternis, in Gott und Satan, entspricht nun mal der fundamentalistischen Weltsicht vieler Freikirchen! Pastor Bölsterli macht keine Anstrengung, dies zu widerlegen. Er bekennt sich auch zu seinem missionarischen Drang, die Menschen für Jesus zu gewinnen: «Für mich ist die Beziehung zu Jesus Realität. Wenn ich die Augen schliesse, kann ich mit ihm Kontakt aufnehmen». Ein Bekehrungserlebnis hat den ehemaligen Aktivisten bei den Zürcher Jugendunruhen von 1980 verändert. Nun predigt er. Nicht bei den Methodisten wie sein Vater, sondern bei der erfolgreichsten religiösen Jugendbewegung der Schweiz.

Der ICF versteht sich als offene Gospelbewegung, frei von allem Zwang. Sie bietet rund 18 Stellen, hat ein Monatsbudget von 150000 Franken und plant ein 60-Millionen-Gemeindezentrum auf dem Sihlpapier-Areal - drei Millionen sind bereits zusammen, doch dafür brauchts noch mehr Spenden. Nicht bloss den zehnten Teil des persönlichen Einkommens. «Wir betonen aber ausdrücklich, dass niemand spenden muss», sagt Matthias Bölsterli. Jörg Weisshaupt von der reformierten Stelle «Kirche und Jugend» kritisiert hingegen den Spendendruck.

Der ICF sieht sich nicht als Sekte. Doch was ist eine Sekte?

© Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Brückenbauers.

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meine Erfahrungen mit
der äthiopischen pentecostal gemeinde in stuttgart

leicht gekürzte Übersetzung aus einer äthiopischen Zeitung

Ich habe 1996 diese Gemeinde (Äthiopisch-christliche Evangelische Kirche, in Stuttgart) kennen gelernt. Mir wurde von einem Mitglied dieser Gemeinde erklärt, es handle sich um eine "christliche, evangelische Freikirche" - mehr war nicht sichtbar für mich zu diesem Zeitpunkt. Von mir zunächst unbemerkt, wurde ein Plan geschmiedet und fast generalstabsmässig umgesetzt: ich sollte in einer sogenannten "Bibel-Studie" an der Talstrasse 70 in Stuttgart das Wort Gottes kennen lernen. Die Bibelstunden fanden dort zweimal pro Woche statt und noch ausgedehnter an den Wochenenden in Schrondorf.

Ziel war es, mich zur Taufe in der Gruppe zu "führen". Aus mir sollte ein "Jünger Jesu" gemacht werden. Denn nur wer "Jesus nachfolgt und ein Leben nach der Bibel führt, dem werden alle Sünden vergeben, der wird das Reich Gottes auf Erden und im Himmel gewinnen" - so stellt sich im Rückblick die Grundlage der "Ideologie" dieser Bewegung dar. Um dieses Ziel auch erreichen zu können, musste ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Schnell lernte ich dann die Bibel kennen, aber in der von dieser Bewegung vorgegebenen Interpretation/ Auslegung. Dass hier auch eine spezielle Lehre eines geistigen Führers dahintersteckte, war mir lange nicht bewusst. Ich hatte mich ja noch nie ernsthaft mit der Bibel befasst. So wurde ich nach und nach durch eine subtile Verhaltens- und Bewusstseinskontrolle von dieser "Gemeinschaft" abhängig; auch von meiner Bezugsperson., Es blieb keine Zeit mehr, sich mit alten Freunden zu treffen (oder auch einfach nur neue zu finden) oder etwas über meine Heimat - Äthiopien - zu erfahren.

Ich verlor zunehmend die Kontrolle über mein Leben ausserhalb der "Gemeinde". Bald hatte ich mein gesamtes bisheriges soziales Umfeld zerstört. Ab jetzt gab es für mich nur noch die Gemeinde. Abhängigkeiten waren entstanden. Das betraf auch die Verpflichtung, mein Privatleben und die Finanzen offen zu legen. Freiwillig natürlich, denn als Referenz wurde immer die Bibel ins Feld geführt. Allerdings in der eigenen Auslegung durch die Gemeinde . Der Leiter stellte seine Gemeinde gerne als den einzigen Ort dar, an dem man sich retten konnte vor dem Bösen. In Wirklichkeit lebte ich nach und nach in einem von Angst, Vermeidung und Anpassung geprägten System. Nach 6 Monaten fing ich an, seltsame Dinge zu träumen. Ich habe in der Gemeinde gefragt, was diese Träume wohl bedeuten könnten. Sie sagten mir , das sei "Gott, der weise zu mir spreche".

In einem Traum habe ich einen Befehl bekommen, dass ich eines der Gemeindemitglieder heiraten solle. Den Traum habe ich noch mehrere Male geträumt. Ein anderes Gemeindemitglied sagte mir, Gott habe mir gesagt, ich müsse diese Frau heiraten. Aber ich sei nicht gehorsam gewesen und hätte diesen Befehl nicht ausgeführt, erklärte er mir, und wenn ich nicht gehorsam sei und diese Frau heirate, dann würde ich sterben oder sonst Schwierigkeiten bekommen mit Gott.

Dann sind andere Mitglieder dieser Gemeinde in meiner Heimat Äthiopien zu meinen Verwandten gegangen und haben erklärt, sie seien Botschafter Gottes. Sie sagten zu meinen Verwandten, wenn ich diese Frau nicht heirate, würde ich Schwierigkeiten mit Gott bekommen.

Die Gemeindemitglieder haben mich als geisteskrank und psychotisch bezeichnet, weil ich die Gemeinde verlassen habe. Ich habe in dieser Gemeinde ganz sicher nicht die Freiheit erlebt, für die Jesus am Kreuz gestorben ist. Das erkennen zu müssen war für mich ein langer und ein ungeheuer schmerzlicher Prozess, glücklicherweise hatte ich noch Bekannte, die mich aufgefangen haben.

Webseite in Äthiopien: http://www.expose.4mg.com

 

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