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das dilemma der spirituellen suche

© Dick Anthony. Auszug aus dem Buch: "Meister, Gurus, Menschenfänger. Über die Integrität spiritueller Wege."

Inhalt:
Das Problem der "objektiven Bewertung" einer Gruppe
Autorität und Unterwerfung
Der Charakter eines Meisters
Fragen, die man sich stellen kann
Kranke Heiler?
Hände weg von allen Meistern?
Schwierige Erfahrungen
Was für den einen gut ist, kann für den anderen schädlich sein
Die "persönliche Chemie" zwischen Lehrer und Schüler
Ein Rat Buddhas

Vorbemerkung

Zu keiner anderen Zeit als in der unseren hat es eine solche Vielfalt von Systemen gegeben, die dem Menschen verheissen, seine psychische und individuelle Entwicklung zu fördern; im 'psychospirituellen Supermarkt' unserer Tage findet man eine verwirrende Menge von Angeboten. Für Menschen, die von einem echten Hunger nach Wahrheit, Freiheit, Sinn, Gottes- und Selbsterkenntnis erfüllt sind, ist es schwierig und durchaus nicht ungefährlich, unter all diesen Möglichkeiten das für sie Geeignete und Beste zu wählen.

Es heisst, im Bereich des Geschäftlichen tue man gut daran, möglichst wenige Risiken einzugehen, im Privatleben und in Beziehungen müsse man hingegen etwas mehr riskieren und im spirituellen Bereich habe man keine andere Wahl, als alles aufs Spiel zu setzen. Unterscheidungsfähigkeit ist daher gerade im Bereich des Spirituellen von überragender Bedeutung.

Die Herausgeber dieses Buches vertreten weder die Position des pauschalen Reduktionismus, wie sie für die Gegner der neuen religiösen Bewegungen charakteristisch ist, noch die des vielleicht allzu offenherzigen Ökumenismus, Elektizismus und Optimismus der Befürworter. Wir sind der Meinung, dass der kulturelle Pluralismus unserer Zeit dem Menschen völlig neue Möglichkeiten eröffnet, ihn aber auch mit neuartigen Gefahren konfrontiert, weshalb die Differenzierung des Unterscheidungs- und Urteilsvermögens in der heutigen Situation unerlässlich scheint. Wie lassen sich Exzesse eines ausbeuterischen falschen 'Meisters' vom oft unkonventionellen Verhalten eines echten Meisters unterscheiden? Wie können wir Anzeichen für pathologische Entwicklungen innerhalb einer Gruppe oder bei einer Führerpersönlichkeit erkennen? 

Wir (die Herausgeber) sind teilnehmende Beobachter im Bereich der "Neuen Religiosität", die einzige Position, die es unserer Meinung nach ermöglicht, sowohl die theoretischen, als auch die empirischen Aspekte eines Engagements in einer solchen Bewegung adäquat zu beschreiben. 

Bei unserem Thema geht es nicht um irgendeine Art von Wahrheit, die sich eindeutig und definitiv formulieren liesse. Unser Anliegen ist es vielmehr, den Geist des Forschens, der Unterscheidungsfähigkeit und des kritischen Bewusstseins gegenüber spirituellen Lehrern und Pfaden zu fördern.

Im weitern ist auch der kulturelle Kontext von Bedeutung, in dem wir heute in der westlichen Welt alternative religiöse Systeme betrachten. Das kulturelle Umfeld ist von mehr als nur rein akademischem Interesse, denn die vorherrschenden kulturellen Einstellungen und Wertvorstellungen beeinflussen und verzerren unsere Interpretation spiritueller Systeme erheblich. Wir werden versuchen, den Leser auf spezifische Verzerrungen hinzuweisen, die aufgrund des derzeitigen kulturellen Umfelds häufig entstehen.

Das Problem der "objektiven Bewertung" einer Gruppe

Die Charakteristika problematischer Gruppen zu beschreiben ist zweifellos wichtig, weil es dazu beiträgt, die Öffentlichkeit auf die Ursachen des Fanatismus von Kultgruppen aufmerksam zu machen. Doch lässt sich auf diese Weise nicht die umfassende Frage klären, was echte spirituelle Autorität tatsächlich ausmacht. Die Methoden der Sozialwissenschaft sind generell wesentlich nützlicher bei der Analyse der Fehler pathologischer Gruppen als bei dem Versuch, zu beschreiben, was das Positive an positiven spirituellen Gemeinschaften ist. Die westliche Psychologie und Soziologie haben sich insgesamt wesentlich intensiver damit beschäftigt, Krankheiten zu diagnostizieren, als mit dem Versuch zu definieren, was Gesundheit beinhaltet. Dies gilt für keinen Bereich mehr, als für den der spirituellen Entwicklung, welcher von den Sozialwissenschaften von jeher aus einer reduktionistischen Perspektive gesehen wird. Da die Sozialwissenschaften versuchen, wertfreie Aussagen zu machen, und sich dabei auf rein rationale, 'profane' Kriterien beschränken, fällt es ihnen schwer, die grundlegende Bedeutung und den Zweck spiritueller Übung sowie religiöser Ideen zu erfassen, ganz zu schweigen von der Entwicklung von Kriterien zur Beurteilung spiritueller Autorität.

Autorität und Unterwerfung

Die Authentizität einer bestimmten spirituellen Gemeinschaft lediglich aufgrund von Kriterien der Sozialwissenschaften zu beurteilen ist deshalb besonders problematisch, weil die herkömmliche Logik und der herkömmliche Verstand oft die Ich-zentrierte Sicht des Lebens unterstützen. Das Ansinnen, die ausschliessliche Identifikation mit dem Ich zu unterminieren, erscheint dem Verstand häufig als skandalös. Kierkegaard hat dieses Ansinnen in dem Satz "Das Selbst muss gebrochen werden, damit ein Selbst werden kann" zum Ausdruck gebracht, und Goethe hat diese skandalöse Vorgehensweise und ihre Logik in dem Gedicht "Selige Sehnsucht" beschrieben:

"Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebendge will ich preisen
Das nach Flammentod sich sehnet.
...
Und solang du das nicht hast
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde."

Genau hierin liegt eine der subtilsten Schwierigkeiten für denjenigen, der einen echten spirituellen Meister erkennen will: Sowohl der falsche, als auch der echte spirituelle Meister unterminiert die Gewohnheitsmuster des Ich. Doch der eine, der Falsche, tut dies in der Absicht, eine Bindung an ihn zu produzieren, wohingegen der andere es auf eine Weise tut, welche die Befreiung fördert.

Aus säkularer Perspektive mag es schwer fallen, eine Haltung der Ergebenheit nicht als Sklavenmentalität zu verstehen. Doch wenn die Meisterschaft des Lehrers geehrt wird, geht es nicht darum, den Lehrer auf einen Sockel zu stellen. Vielmehr kann echte Hingabe eine Übung sein, die darauf abzielt, die eigene Ergebenheit von der Tyrannei der Ich-Bezogenheit abzuziehen und auf die tiefere Quelle der Weisheit in unserem Inneren hinzulenken. Solange wir uns in unserem gewöhnlichen Bewusstseinszustand mit "Hingabe" dem Ziel widmen, unser eigenes Selbstbild aufzupolieren, sind wir Sklaven jener Gedanken und Emotionen, die um Neid, Gier, stolz, Aggression und Furcht kreisen. Hingabe und Ergebenheit einem Lehrer gegenüber, dessen Präsenz Freiheit von dieser Tyrannei verkörpert, kann ein wichtiger Teil des Prozesses sein, der zu einer Umorientierung von ich-bezogenen Zwängen zu einem Pfad des Erwachens führt.

Doch sollte in diesem Zusammenhang betont werden, dass insbesondere in unserer Kultur die Praxis der Hingabe einem Lehrer gegenüber viele Risiken bergen kann, wenn dem nicht eine intensive Schulung vorausgeht, welche die Unterscheidungsfähigkeit des Schülers schärft und seinen Hang zur Selbsttäuschung unterbindet.

Damit nicht der Eindruck entsteht, die Autorität und die Funktion eines spirituellen Mentors sei nur in den östlichen Traditionen von Bedeutung, wollen wir uns die folgenden Worte des Trappistenmönches Thomas Merton vergegenwärtigen, die die Bedeutung spiritueller Unterweisung durch einen qualifizierten Lehrer hervorheben:

"Die Arbeit an der Loslösung vom "Ich" ist in der Tat so schwierig und subtil, dass sie ohne die Hilfe anderer unmöglich zu bewältigen ist. Der Schüler muss sich bedingungslos strengstem Gehorsam und striktester Disziplin unterwerfen. Er muss ohne jedes Infragestellen und ohne Murren jede denkbare Schwierigkeit und Härte auf sich nehmen. Er muss Beleidigungen, Müdigkeit, Qualen und Schmähungen ertragen."

Der Charakter eines Meisters

Authentische Lehrer manipulieren die Emotionen ihrer Schüler nicht, sondern appellieren an ihre natürliche Intelligenz. Sie ermutigen diejenigen, die den Pfad der Selbsterkenntnis beschreiten vor allem durch ihr Beispiel, nicht durch Versprechen zukünftiger Erlösung und Belohnung. Statt Herdenverhalten zu fördern, sind sie sich darüber im klaren, dass jeder Mensch Zeit braucht, um allein zu sein, weil dies ihm ermöglicht, die Wirklichkeit auf frische und lebendige Weise zu erkennen. Ausserdem haben authentische Lehrer selbst eine umfassende Ausbildung und intensive Schulung absolviert.

Diese Charakteristika sind wesentlich wichtiger als die Frage, ob uns die Lebensweise eines Lehrers, sein Äusseres Auftreten oder seine Tendenz, sich auf verwirrende oder unkonventionelle Weise zu verhalten, zusagt. Die Annalen aller grossen spirituellen Traditionen enthalten viele Beispiele von Meistern, die durch ihr Verhalten den zeitgenössischen Moralvorstellungen zuwiderhandelten, um Menschen aufzuwecken und sie auf eine tiefere Wahrheit aufmerksam zu machen. (Im Christentum gibt es kein besseres Beispiel als Jesus selbst; ein weiteres ist Franz von Assisi.) Authentische Lehrer entsprechen in ihrer Lebensweise oft nicht den Vorstellungen der Allgemeinheit von einer "reinen und heiligen" Lebensweise und legen manchmal eine wilde und scheinbar rücksichtslose Verhaltensweise zutage, die darauf abzielt, die Schale von Arroganz und Egoismus zu durchbrechen, welche den Schüler umgibt. Grosse Lehrer sind auch nicht unbedingt frei von Unzulänglichkeiten. Gewöhnlich weisen spirituelle Lehrer selbst darauf hin, wie wichtig es ist, die Qualität der Lehre an der Wirkung zu messen, die sie auf uns hat, statt an den Persönlichkeitsmerkmalen des Lehrers. So hat zum Beispiel einmal Nisargadatta Maharah, ein berühmter Lehrer der hinduistischen Advaita-Vedanta-Tradition, auf die Frage, ob ein Meister "ein Mann sein sollte, der über Selbstkontrolle verfügt und ein rechtschaffenes Leben führt", geantwortet:

"Davon wirst du viele finden - und sie werden dir nichts nützen. Ein Guru kann dir den Weg zurück zu deinem wahren Selbst zeigen. Was hat das mit dem Charakter oder dem Temperament dieses Menschen zu tun? Du kannst ihn nur beurteilen, indem Du darauf achtest, ob in dir eine Veränderung stattfindet, wenn du dich in seiner Gegenwart befindest... Wenn du dich selbst mit grösserer Klarheit und Tiefe als gewöhnlich verstehst, so ist das ein Zeichen dafür, dass du den richtigen vor dir hast."

Zusammenfassend könnte man sagen, dass sich die Authentizität eines Meisters sowohl aufgrund der Art des Einflusses beurteilen lässt, den er auf seine Schüler ausübt (objektiv betrachtet), als auch aufgrund des Einflusses, den er auf einen selbst hat (subjektiv erlebt) .

Fragen, die man sich stellen kann

Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, sich einem selbsternannten Meister anzuschliessen, könnte man sich zunächst einmal ein paar Fragen stellen: Was zieht mich zu dieser Person hin? Fühle ich mich von ihrer Macht, von ihrem Auftreten, von ihrer Klugheit, von ihren erfolgen, ihrem äusseren Glanz oder von ihren Ideen angezogen? Ist Furcht oder Liebe das Motiv hinter dem 'sich-angezogen-fühlen' ? Beruht meine Reaktion in erster Linie auf physischer Anziehung, emotionaler Erregung, intellektueller Anregung oder auf einer intuitiven Resonanz? Was könnte mich dazu bringen, ihm/ihr mehr zu vertrauen, als mir selbst? Halte ich nach einer Vater- oder Mutterfigur Ausschau, die mich von den Verantwortlichkeiten des Lebens befreit? Suche ich nach einer Gruppe, in der ich mich zu Hause fühle und in der ich das Gefühl habe, dass andere sich um mich kümmern, wenn ich nur tue, was von mir erwartet wird? Was gebe ich auf? Bewege ich mich auf etwas zu, zu dem ich mich hingezogen fühle, oder laufe ich von meinem Leben, so wie es ist, davon?

Hinsichtlich des Meisters könnte man darüber reflektieren, ob die Präsenz dieser Person ein Gefühl des inneren Friedens vermittelt. Es heisst immer wieder, dass die Gegenwart eines spirituellen Meisters eine besänftigende und heilende Wirkung auf andere hat, ohne dass eine solche Person in irgendeiner Weise absichtlich manipulativ wirkt. Andererseits kann ein charismatischer Führer, der kein echter spiritueller Meister ist, auf eine Gruppe hypnotisch einwirken. Er kann durch absichtliche Manipulation ebensolch ein Gefühl des Friedens und Wohlbehagens erzeugen. Manche Suchende erkennen diesen Unterschied, andere nicht.

Eine weitere wichtige Frage, die man sich hinsichtlich eines angeblichen Meisters stellen sollte, ist: Zeigt der betreffende Mitgefühl, Grosszügigkeit, Herzensgüte, Ehrlichkeit, Ruhe und Offenherzigkeit? Aus den Antworten auf diese Fragen lassen sich zwar keine definitiven Richtlinien herausfiltern, doch schärfen sie das Gewahrsein des Betroffenen sowohl nach aussen, wie auch nach innen und verringern dadurch die Gefahr, dass wir Entscheidungen treffen, die wir später bereuen.

Kranke Heiler?

Einige Meister scheinen den Inbegriff der Vollkommenheit zu verkörpern, während andere grosse Lehrer gerade deshalb so gute Arbeit zu leisten vermögen, weil sie so menschlich sind, weil sie auf so überzeugende Weise mit jenen Unzulänglichkeiten in Kontakt sind, die alle Menschen miteinander verbinden. Der Archetyp des verwundeten Heilers beinhaltet, dass der Heiler anderen nur deshalb helfen kann, weil er selbst das Wesen des Krankseins erfahren hat. Beispielsweise war der grosse buddhistische Weise Vimalakarti, zu dem viele Bodhisattvas kamen, um von ihm Unterweisungen zu erhalten, immer krank; als er einmal gefragt wurde, warum dies so sei, antwortete er: "Ich bin krank, weil alle Wesen krank sind."

Hände weg von allen Meistern?

Alle spirituellen Meister in Bausch und Bogen abzulehnen, nur weil es Scharlatane und irregeleitete Lehrer gibt, ist ebenso wenig hilfreich wie die Weigerung, Geld zu benutzen, nur weil gefälschte Banknoten in Umlauf sind. Dass Autorität missbraucht werden kann, ist wohl kaum ein Grund, sie in Zusammenhängen abzulehnen, in denen sie angemessen, nützlich und legitim ist. Es könnte sein, dass in dieser Zeit kulturellen Umbruchs, des Verfalls der Moral wie auch der Familienstruktur und des allgemeinen, weltweiten Chaos die grossen, spirituellen Meister zu den kostbarsten Schätzen der Menschheit zählen.

Ein persönlicher Reifungsprozess kann auch schwierige Erfahrungen beinhalten

Ebenso wie Eltern ihr Söhne und Töchter nicht daran hindern können, sich in Menschen zu verlieben, die ihnen als Eltern nicht gefallen, werden auch noch so ausgeklügelte Kriterien und Vorsichtsmassnahmen im Normalfall kaum verhindern, dass betrügerische Meister Schüler um sich scharen. So wie ängstliche Eltern manchmal versuchen, ein Kind durch Androhung von Liebesentzug von etwas abzubringen, dadurch jedoch die emotionale Entwicklung des Kindes in erheblichem Masse stören, kann eine übermässig skeptische Grundhaltung eine gesunde spirituelle Entwicklung in erheblichem Masse beeinträchtigen.

Natürlich sollte man sich gründlich über die Praktiken einer Gruppe informieren, wenn man darüber nachdenkt, sich ihr anzuschliessen. Macht man sich jedoch die Haltung des Kriegers zu eigen und akzeptiert alle Erfahrungen im Leben als Herausforderungen, dann kann sogar eine schwierige Erfahrung in einer Gruppe zur Entwicklung von Reife und Weisheit beitragen. Viele, die sich einer spirituellen Gruppe angeschlossen und diese später wieder verlassen haben, berichten, dass diese Erfahrung für sie trotz beträchtlicher Härten von Wert gewesen sei. Wenn ein Mitglied eine Gruppe verlassen hat, kann das Erzählen des Erlebten der betreffenden Person zu Bewusstsein bringen, dass schon allein die Tatsache, sich der Situation gestellt zu haben, eine wichtige und wertvolle Erfahrung ist. Dieser Prozess ist als psychisches Wachstum durch Wiederherstellung der eigenen Integrität beschrieben worden.

Was für den einen gut ist, kann für den anderen schädlich sein

Man könnte Gruppen auch unter dem Aspekt sehen, dass sie die innere Entwicklung in bestimmten Phasen fördern, in anderen jedoch nicht. Beispielsweise könnte ein Mensch mit einem hochentwickelten Intellekt oder einer gut ausgebildeten logisch-analytischen Fähigkeit sich dafür entscheiden, sich einer strengen Meditationsdisziplin zu unterwerfen, um durch die Entwicklung eines kontemplativen Gewahrseins ein inneres Gleichgewicht zu erreichen, das nicht allein auf dem Intellekt basiert. Die gleiche Art der Übung kann jedoch für jemanden, dem es bisher nicht gelungen ist, Integrität auf der Ich-Ebene zu entwickeln, schädlich sein. 

Die "persönliche Chemie" zwischen Lehrer und Schüler

Die "persönliche Chemie" zwischen einem Schüler und einem spirituellen Meister ist letztlich der ausschlaggebende Faktor dafür, ob es zu einer echten Begegnung zwischen beiden kommen kann. Und da echte spirituelle Lehrer sehr verschieden sein können, wäre es zweifellos unsinnig zu versuchen, das Verhalten eines guten Gurus zu definieren.

Der Prozess der Entscheidungsfindung in diesem Bereich scheint eher dem Sich-Verlieben zu ähneln, als sorgfältiger strategischer Planung. Wenn jemand über eine gute Intuition verfügt, kann diese beim Treffen von Entscheidungen als zuverlässige Orientierungshilfe dienen. Man sollte Intuition aber niemals als Ersatz für den Verstand und das rationale Unterscheidungsvermögen ansehen. Ganzheit beinhaltet eine ausgewogene, angemessene Nutzung aller Fähigkeiten.

Ein Rat Buddhas

Für den Anfang ist der beste Rat bei allen Bemühungen um eine Beurteilung spiritueller Lehrer und Gruppen in den folgenden Worten des Buddha enthalten:

"Glaubt nicht an das, was ihr gehört habt; glaubt nicht an Traditionen, nur weil sie über viele Generationen hinweg überliefert worden sind; glaubt nichts, weil es als Gerücht kursiert oder weil viele darüber sprechen; glaubt nichts nur deshalb, weil es angeblich durch irgendeine schriftliche Äusserung eines alten Weisen bestätigt wird; glaubt nicht an Mutmassungen; glaubt nicht nur an die Autorität eurer Lehrer und Ältesten. Wenn eure eigenen Beobachtungen und eure Analyse mit den logischen Erwägungen des Verstandes übereinstimmen und das Geprüfte dem Wohl aller förderlich ist, erst dann akzeptiert es und lebt ihm entsprechend."

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