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die zehn wichtigsten fragen zur esoterik:

es gibt nur einen weg: ihren eigenen

Inhalt:
Was ist Esoterik?

Was ist das Ziel?
Der richtige Weg?
Immer mehr Gurus?
Wann ist ein Lehrer gut?
Gesundheitsrisiko?
Esoterik als Therapie?
Esoterik wider Konsum?
Fallen?
Chancen?

 

Was ist Esoterik?

Der Begriff Esoterik steht für Weisheitslehre oder Geheimwissenschaften. Das esoterische Weltbild geht auf den Vater der Hermetischen Philosophie Hermes Trismegistos zurück, der den Schlüsselsatz "wie oben, so unten" geprägt hat. Damit ist gemeint: Wir spiegeln uns in allem und alles spiegelt sich in uns. Diese Erkenntnis veranschaulicht die Physik mit dem Hologramm, worin jeder kleinste Bildabschnitt das ganze Bild enthält. Und aus der Biologie ist uns bekannt, dass die Information für den ganzen Menschen in jeder einzelnen seiner Zellen steckt. Die Esoterik mit ihrem Wissen um die tiefsten Zusammenhänge der menschlichen Existenz war stets die Sache weniger Eingeweihter. Der Grund dafür ist nicht Geheimniskrämerei: Die esoterischen Lehren können nicht einfach weitergereicht werden. Was zählt, ist die individuell gelebte Erfahrung und nicht der theoretische Überbau. Man kann zwar an die Orange glauben und sich alles Wissen um ihre Natur aneignen, nur: Wer eine Orange "erfahren" will, muss sie essen. Genauso bleibt esoterisches Wissen für "Uneingeweihte" solange "geheim", bis diese es erkennen - so wie die Relativitätstheorie seit Anbeginn "wirksam" ist und nicht erst, seitdem Einstein sie entdeckt hat. Esoterik ist ein Weg, den man gehen muss. Wer von Zürich nach Moskau will, kann zwar für seine Reisen alle nötigen Information sammeln, ankommen tut er aber nur, wenn er sich auf den Weg macht.

Was ist das Ziel?

Ziel der Esoterik ist die Überwindung des polaren Denkens, die alles einschliessende Liebe, das kosmische Bewusstsein, kurz: die Erleuchtung. Erleuchtung symbolisiert das fühlbare Wissen um das Göttliche in uns, jenen Zustand des "Eins-Seins", den wir aus ganz intensiven Momenten in unserem Leben kennen. Und damit wir mit diesem Bewusstsein immer mehr in Verbindung treten können, bietet jede Kultur als Weghilfe ihre eigenen Disziplinen. So basiert die westliche Esoterik auf der Astrologie, Kabbala, Alchimie und Magie. In der östlichen Esoterik kennt der Buddhismus als verbreitetster Zweig die Za-Zen-Meditation, der indische Yoga-Weg umfasst, neben dem Hatha-Yoga, zahlreiche weitere Yoga-Richtungen, und der Sufi-Tradition entstammt der Orden der tanzenden Derwische. Allen Disziplinen ist eines gemeinsam: Sie helfen dem Menschen bei der Entfaltung seines emotionalen und geistigen Potentials, damit er sich und die Welt in all ihren Erscheinungsformen immer besser begreifen lernt.

Der richtige Weg?

Die eigene Kultur mit ihren Symbolen steht einem in der Regel immer näher als eine fremde, weil sie unserem Denken und unseren Lebensgewohnheiten angepasst ist. Dennoch sind alle spirituellen Wege grundsätzlich gut, alle führen letztendlich zum selben Ziel. Ob eine Lehre oder eine Methode für Sie in Frage kommt, finden Sie nur heraus, indem Sie in aller Ruhe in sich hineinhorchen und – sie ausprobieren. Nichts von all dem, was andere sagen, stimmt, wenn es nicht für Sie persönlich stimmt, wenn Sie nicht in Ihrem Inneren fühlen: "Ja, so ist es, ich habe es schon immer gewusst." Dabei helfen die folgenden Fragen, auf die sich jeder selbst eine ehrliche Antwort geben kann: Lerne ich auf meinem Weg, mir selbst und anderen nicht zu schaden? Führt die Art und Weise, wie ich auf meinem Weg mit meinen Gedanken und Gefühlen umgehe, wie ich mich ausdrücke und handle zu grösserer geistiger Gesundheit und Freiheit? Verspüre ich mehr geistige Klarheit und inneren Frieden? Nimmt meine wahre innere Unabhängigkeit, meine Toleranz und liebevolle Zuwendung gegenüber mir und anderen zu? Und falls es sich um einen Weg in einer spirituellen Gemeinschaft handelt: Fördert die Gruppe das soziale Denken und die geistige Eigenständigkeit und persönliche Freiheit ihrer Mitglieder?

Immer mehr Gurus?

Der Begriff Guru stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Lehrer, spiritueller Meister. Jede Kultur und jede Generation hat ihre Meister, die ihre Fragen beantworten. Da wir in einer Zeit leben, die wie keine andere geprägt ist von Sinnsucht, reicht vielen Menschen eine Figur der Vergangenheit wie Jesus, Buddha oder Mohammed nicht aus. Sie sehnen sich nach einem lebendigen Meister. Mag sein, dass unsere Fragen ewige Fragen sind und alle schon gestellt und beantwortet wurden , doch wer eine dringende Frage hat, der will eine Antwort im Hier und Jetzt, von lebenden Menschen und nicht aus Büchern. Selbst wenn Sie die gleiche Frage haben wie ich, ist damit, dass meine Frage beantwortet ist, nicht gleichzeitig auch Ihre beantwortet. Und genau darin liegt der Unterschied begründet: Ein spiritueller Lehrer antwortet nicht nur auf eine Frage, er antwortet dem Fragenden.

Wann ist ein Lehrer gut?

Grundsätzlich können Sie einem Lehrer dann vertrauen, wenn er Ihre Freiheit bedingungslos respektiert. Will er Sie in irgendeiner Weise ideologisch oder materiell an sich binden – Hände weg! Ein echter Lehrer oder guter Therapeut unterstützt sie vollumfänglich in Ihrem Prozess und lässt Sie dann wieder ziehen, wenn Sie ihn nicht mehr brauchen. Therapien sind im Grunde genommen lediglich "Krücken", die ein Mensch nur solange braucht, bis gewisse Umstände wieder im Lot sind. Seien Sie auch vorsichtig bei starken Vorbildfiguren: Diese könnten SIE zur Annahme verleiten, Sie würden es alleine nicht schaffen. Hüten Sie sich davor, Ihren Lehrer zu glorifizieren, denn in der Regel hat man es ja nicht mit erleuchteten Meistern zu tun, sondern mit Menschen, die zwar mit den - hoffentlich - besten Absichten ihr Wissen weitergeben, daneben aber alle Eigenschaften von Normalsterblichen aufweisen. Seien Sie besonders misstrauisch, wenn sich ein Lehrer selbst überhöht und womöglich seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten rühmt. Denn diese machen noch lange keinen Meister und sind schon gar kein Beweis für Spiritualität, eher für ein ausgeprägtes Ego.

Gesundheitsrisiko?

Es sind nicht bestimmte Praktiken und Techniken, die die Gesundheit gefährden, sondern unser Umgang damit. Das ist unter Umständen dann der Fall, wenn esoterische Übungen und bestimmt Therapiemethoden, die innerhalb ihrer Tradition Sinn und Berechtigung haben, aus ihrer kulturellen Verankerung gerissen und isoliert praktiziert werden. Dann können sie zur Gefahr werden und beim unvorbereiteten Anwender Abspaltungen auslösen, ihm den Boden unter den Füssen wegziehen .Nicht umsonst wird in den östlichen Traditionen so grosser Wert auf den Lehrer gelegt, der diese Prozesse behutsam begleitet und hilft, ein sicheres Fundament aufzubauen. Vorsicht ist auch geboten beim New-Age-Motto: "Alles ist wunderbar, mir geht's blendend, ich muss nur fest daran glauben", womit alle Ängste, Aggressionen und körperlichen Probleme verdrängt werden. Diese lösen sich aber nicht in Luft auf, wenn man sie mit positiven Gedanken überlagert, sondern treffen - falls sie plötzlich durchbrechen - den Menschen, der sich aufgrund seiner Autosuggestionen so schön in Sicherheit wiegte, aus heiterem Himmel und folglich härter. Ausserdem hat diese Methode nichts mit Esoterik zu tun, wo es um Bewusstwerdung und Aussöhnung mit Ungeliebtem geht und nicht um dessen Verdrängung.

Esoterik als Therapie?

Wofür soll man sich entscheiden: für einen psychologisch-therapeutischen oder für einen spirituellen Weg? Ein Beispiel: Ist ein Erwachsener aufgrund seiner schweren Kindheit oft deprimiert und blockiert, so kommt er aus eigener Kraft möglicherweise nicht an seine verletzten Stellen, und eine Meditationsgruppe wäre an diesem Punkt seines Lebens nicht das richtige für ihn. Erkennt jemand, dass er seine Probleme vorerst nicht alleine klären kann, benötigt er die Hilfe einer Psychotherapie. Es ist also wichtig herauszufinden, was man sich selbst zutrauen und zumuten kann. Wir können uns spirituell nur weiterentwickeln, wenn wir zuerst unsere Kindheits- und Beziehungstraumata, unsere Muster und Neurosen erkannt und bearbeitet haben. Je gründlicher die therapeutische Klärungsarbeit verläuft, desto mehr bindet sie den Menschen in transpersonale, das heisst spirituelle Erfahrungen ein. Und wer diese vertiefen will, wählt dann vielleicht einen spirituellen Weg, weil er dank der Arbeit an sich so weit gekommen ist, dass er die Verantwortung für sich und seine inneren Zustände selbst übernehmen möchte.

Esoterik wider Konsum?

Der Eso-Boom hat nicht immer viel mit Esoterik am Hut, denn das Weitergeben von esoterischem Wissen macht aus dem Empfänger noch lange keinen Esoteriker. Bei wahrer spiritueller Suche geht es nicht um das Erreichen aussergewöhnlicher Bewusstseinszustände oder die Entwicklung besonderer Fähigkeiten. Diese sind zwar Bestandteil bestimmter Lehren, jedoch nicht das Ziel selbst. Inwiefern Sie ein Workshop letztlich weiterbringt, zeigt sich im nachhinein, nämlich dann, wenn Sie mit den "erhaltenen Werkzeugen" zu arbeiten beginnen und Ihre Erfahrungen in den Alltag integrieren. So gesehen, hängt die Wirksamkeit jeder Lehre, jeder Methode vom Ausübenden ab. Denn: Was nützt uns der beste Werkzeugkoffer, wenn wir ihn zwar regelmässig mit den neuesten Utensilien aufstocken, ihn aber sonst unbenutzt in einer Ecke stehen lassen?

Fallen?

Esoterik führt nicht aus dem Leben hinaus, sondern mitten ins Leben hinein: Für alle Eigenschaften, die es im Laufe des spirituellen Weges zu entwickeln gilt, bietet das Leben, in dem wir gerade stehen, das ideale Übungsfeld. Wo sonst, wenn nicht im Wechselspiel der Beziehungen zu anderen Menschen, lernen wir mehr über die Liebe, Respekt und Bescheidenheit? Dennoch gibt es Menschen, die unbewusst dazu neigen, sich vor dem Leben zu "drücken", im Sinne von: "Ich bin halt zu sensibel für diese materielle Welt." Mit dieser Haltung macht man sich aber nur zum Opfer und grenzt sich aus. – Beides eine klare Absage an den esoterischen Anspruch. Kritisch wird es auch, wenn jemand jeden Bissen zuerst auspendeln muss, bevor er ihn mit ruhigem Gewissen zum Mund führt. Abgesehen davon, dass er sich womöglich ein Zwangssymptom einhandelt, traut er dem Leben anscheinend nicht. Dabei ist eine der wichtigsten Grundlagen der Esoterik Vertrauen: das Vertrauen in die Schöpfung als vollkommenen Kosmos. Gegen Hilfsmittel ist ja gar nichts einzuwenden, solange man sich von ihnen nicht versklaven lässt. Sonst entfernt man sich vom Ziel der Esoterik, und das heisst ganz klar: Freiheit.

Chancen?

Auch wenn Konsum-Esoterik an der Oberfläche bleibt, so hat sie doch vielen Menschen den Zugang zu einer neuen Denkweise und zu den tieferen, eigenen Bedürfnissen überhaupt erst geöffnet. Daraus hervorgegangen ist ein wachsendes Bewusstsein für unsere Umwelt: für die Erde als lebenden Organismus. Die Erkenntnis der Physik, dass alles lebt und Energie ist, kommt da gerade rechtzeitig, um die Erfahrungen spirituell suchender Menschen auch theoretisch zu stützen. Daneben hat sich eine neue Art von ganzheitlicher Medizin entwickelt, die alle Seinsebenen – nämlich Körper, Seele und Geist – in die Behandlung einbezieht und die an die Eigenverantwortlichkeit des Menschen appelliert. Auch in der "rationalen" Wirtschaftswelt zeichnet sich immer mehr eine globale Denkweise ab. Neue, ganzheitliche Formen des Managements entwickeln sich, Unternehmen fördern den Bewusstwerdungsprozess ihrer Mitarbeiter, weil sie erkennen, dass deren inneres Wachstum letztlich dem äusseren Wachstum zugute kommt. Und überall, wo Menschen beginnen, sich und ihrer Umwelt bewusster und respektvoller zu begegnen, kann dies nicht ohne Auswirkungen auf das grosse Ganze bleiben.

© Annabelle. Erstmals erschienen in ANNABELLE Nr. 12/96,
Text: Monica Congiu

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